Abschlussbericht "Abenteuer Kultur wagen" in Speyer

In Speyer gab es einen ersten Erfahrungsaustausch der Netzwerkpartner aus Pflege/Betreuung und Kultur, und es gibt nun eine abschließende umfangreiche Dokumentation zu dem Kulturprojekt innerhalb der 'Lokalen Allianzen' in Speyer. 
Sie können den informativen Bericht unten bequem herunterladen. Er zeigt auch, welche intensiven Bemühungen für das Gelingen eines solchen Netzwerkes auch weiterhin nötig sind, um das Thema 'Kulturelle Teilhabe für Menschen mit Demenz auch im ländlichen Raum zu verankern.
Die nächste Fortbildung (in Kooperation mit dementia+art) ist für den 7. und 8. März 2017 in Speyer geplant.

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Die 'Lokalen Allianzen' für Menschen mit Demenz sind mittlerweile in ganz Deutschland vertreten. In Speyer ist man, angedockt an das Seniorenbüro der Stadt, besonders engagiert für das Thema soziale und kulturelle Teilhabe. dementia+art war deshalb eingeladen vom 15.-16. März eine Fortbildung zu dem Thema zu geben. Angesprochen waren die Bereiche Pflege und Betreuung und Kultur mit ihren Facetten. Zur Entwicklung des Projekts und des Netzwerkes in einer kleineren, aber historisch bedeutsamen Stadt wie Speyer berichtet die Leiterin des Seniorenbüros Ria Krampitz.



C Fotos: Seniorenbüro Speyer

Ängstlich, zögerlich näherte sich eine Dame dem Innenhof des 'Purrmann Hauses'. Jeder Schritt mehr in den Hof kostete sie sichtbare Überwindung und immer wieder stellte sie die Frage: „Wo bin ich hier.“
Ihre Begleiterin gab ihr mit großer Geduld die Sicherheit, die sie brauchte, um sich auf „Abenteuer Kultur wagen“ einzulassen. Und ihre strahlenden Augen, die Freude, die ihrem Gesicht am Ende der Veranstaltung anzusehen war, bestätigten, dass kreative Angebote, die Lebensqualität auch von Menschen mit Demenz deutlich erhöhen.

ABENTEUER KULTUR WAGEN

2015 und 2016 gab es in Speyer, organisiert von der 'Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz' Fortbildungen zum Thema Menschen mit Demenz im Museum. Es war nicht so, dass spontan große Begeisterung bei den Kolleginnen und Kollegen der Museen, der Pflegeeinrichtungen oder dem Betreuungspersonal ausbrach.

Wie sollte man sich das vorstellen? Die Skepsis war groß. So war der Projektname „Abenteuer Kultur wagen“ genau der richtige, denn es war nicht nur ein Wagnis für die Betroffenen, sondern ein Abenteuer für alle Beteiligten. Für diejenigen, die den Mut hatten, sich darauf einzulassen, war die Teilnahme letztlich eine Bereicherung.

Zwischenzeitlich wurden die Erfahrungen schon weitergetragen, und es haben sich dem Projekt in Speyer sieben Einrichtungen angeschlossen. Die Veranstaltungen bei uns sind immer dreigeteilt. Das Ankommen, die gemeinsame Kunstentdeckung und die Abschlussrunde.

WIE SOLLTE MAN SICH DAS VORSTELLEN?

Unsere erste Veranstaltung fand im Purrmann Haus statt. Tische und Stühle standen im Innenhof bereit. Duftende Kräuter und Blumen schmückten die Tische, so dass der Hof eine angenehme Atmosphäre ausstrahlte. Gerade bei Menschen mit Demenz ist dies enorm wichtig. Man kam ins Gespräch, konnte etwas trinken und essen. Danach entdeckten alle Teilnehmer gemeinsam zwei Bilder. Es waren Blumenbilder, die viel Gesprächsstoff boten.

Für mich war beeindruckend, wie anregend diese Bilder wirkten. Da wurde geäußert zu welchen Anlässen Blumen geschenkt werden, verschiedene Blumenarten aufgezählt, Erinnerungen an den eigenen Garten gesponnen. Die Menschen nahmen aufmerksam anteil, sodass selbst die Begleitpersonen erstaunt waren. Musikalisch wurde die Veranstaltung umrahmt mit dem Lied „Sah ein Knab ein Röslein stehn“. Spontan, ohne Aufforderung sangen alle Betroffenen mit und zwar alle Strophen. Sie sangen auch nicht zaghaft, sondern aus voller Brust. Auch dieses musikalische Element trug zu einer angenehmen, angstfreien Atmosphäre bei.

BLUMEN IN KUNST UND WIRKLICHKEIT

Die Abschlussrunde im Innenhof war ein erneutes Erlebnis. Zwei Sponsoren hatten Blumen gespendet, die nun auf Tischen ausgebreitet lagen. Jeder Teilnehmer konnte sich ein eigenes Blumensträußchen binden und mit nach Hause nehmen. Die große Freude darüber hat mich begeistert!

Alle Begleitpersonen bestätigten ein paar Tage später, dass dieses schöne Gefühl noch ein paar Tage angedauert hat. Manche Betroffene erzählten sogar Tage später noch ihren Angehörigen davon. Und gerade die ängstliche Frau, die sich am Anfang gar nicht setzen wollte, gab ihrem Blumensträußchen jeden Tag frisches Wasser, „damit es lange hält“.

Ich bin von diesen kreativen Kulturangeboten für Menschen mit Demenz überzeugt und möchte sie weiter ausbauen. Dazu sind auch finanzielle Mittel notwendig, etwa um das Netzwerk aufrecht zu halten. Es sollte eine Form gefunden werden, bei der auch die Krankenkassen zustimmen und sich finanziell beteiligen. Soweit sind wir leider noch nicht.

Ria Krampitz, Leiterin des Seniorenbüros Speyer




Erster Erfahrungsaustausch der Netzwerkpartner aus Pflege/Betreuung und Kultur in Speyer

Eine kleine Zusammenfassung der intensiven Begegnung bietet der Bericht von Frau Krampitz:

Im Rahmen des Modellprojektes „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ wollen wir uns auch um neue kreative Angebote für Menschen mit Demenz kümmern. Nach den Fortbildungen „Abenteuer Kultur wagen“, am 8. Juni 2015 mit Frau Uschi Baetz und der zweitätigen Fortbildung „Kulturbegleiter für Menschen mit Demenz“ am 15. und 16. März 2016 mit Jochen Schmauck-Langer wurde das Gelernte in Angebote umgesetzt. Die gemachten Erfahrungen wurden am 3. August 2016, gemeinsam mit Herrn Schmauck-Langer in einer weiteren Fortbildungsveranstaltung ausgewertet. Gemeinsam erarbeiteten die Teilnehmerinnen, wie das Projekt nach der Modellphase weiterlaufen soll. Hier in Stichpunkten die Überlegungen:

•    Am 27. Oktober ist eine Veranstaltung im Historischen Ratssaal geplant, zu der die Bürgermeisterin Frau Kabs einladen wird. Ziel dieser Veranstaltung soll sein, Vertreter von Kultureinrichtungen, stationären Einrichtungen, Heimbeiräten, ambulanten Pflegediensten und anderen Einrichtungen, die mit Menschen mit Demenz zu tun haben, für die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Demenz zu vernetzen.
In der Veranstaltung wollen wir das Projekt vorstellen, die weitere Planung aufzeigen und bereits für die geplante weitere Fortbildung mit Jochen Schmauck-Langer im Frühjahr 2017 werben. Eine Vorbereitungsgruppe wird die Veranstaltung am vorbereiten.

•    Längerfristig soll ein Faltblatt entworfen werden, in dem alle Veranstaltungen veröffentlicht werden. Stationäre Einrichtungen können sich dann mit einer Gruppe anmelden. Die langfristigen Termine sind für die stationären Einrichtungen wichtig für die Dienstplangestaltung. Betroffene aus dem ambulanten Bereich müssen gezielt und kontinuierlich angesprochen werden. Bislang gibt es aus diesem Bereich noch keine Teilnehmer. In diesem speziellen Veranstaltungskalender möchten wir auch die Gottesdienste, die der Malteser Hilfsdienst organisiert und die Konzerte für Menschen mit Demenz vom Seniorenbüro mit aufnehmen. Das Museum Purrmann-Haus ist offen für regelmäßige Veranstaltungen, sogar monatlich. Die Regelmäßigkeit ist noch genau festzulegen, je nachdem wie oft andere Einrichtungen mitmachen.

•    Sobald feste Termine feststehen, sollen sie an die Presse weitergegeben werden. Auf der städtischen Internetseite gibt es unter Senioren auch einen Ordner 'Abenteuer Kultur' wagen. Dort werden die Termine ebenfalls angekündigt.

•    Wie bereits geschrieben, soll es im Frühjahr 2017 wieder eine zweitägige Schulung mit Herrn Schmauck-Langer geben. Der Kreis der Multiplikatoren soll so im Pflege- und Betreuungsbereich und im kulturellen Bereich vergrößert werden.

•    Diskutiert wurde über die Finanzierung der Veranstaltungen. Können sich die stationären Einrichtungen daran beteiligen? Diese Frage soll auch am 27.10.2016 angesprochen werden. Ansonsten überlegen wir gemeinsam neue Wege.

•    Damit die weitere Entwicklung des Projektes auch transparent bleibt, ist an eine Rundmail gedacht.


Ria Krampitz
Leiterin des Seniorenbüros



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