Historisch gut. Menschen mit Demenz im Stadtmuseum.

Ein Bericht von Sarah Verborg, Soziale Betreuung Haus 5, Städtisches Seniorenzentrum Köln-Riehl.

Einmal wöchentlich findet bei uns im Haus 5 des Städtischen Seniorenzentrums Köln-Riehl der "Kölsche Klaaf" statt. In angenehmer Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen steht Köln mit seinen Wahrzeichen, Sagen und Legenden im Mittelpunkt eines geselligen  Nachmittags. Hierbei dürfen natürlich auch Kölsche Lieder nicht fehlen. Vor allem für unsere Bewohner sind die Erinnerungen an alte heimische Geschichten besonders wichtig, da diese im Langzeitgedächtnis abgespeichert und  auch bei einer  Demenzerkrankung noch weitestgehend präsent sind.

Kölsche  Klaaf

Als wir durch die Zeitschrift „KölnerLeben“ auf die Angebote von dementia+art aufmerksam wurden, stand für uns deshalb schnell fest: Wir besuchen das Stadtmuseum! Die Vorfreude war sehr groß, selbst einige unserer Ur-Kölschen Bewohner sagten, dass sie noch nie im Stadtmuseum waren, auch wenn ihnen das Gebäude wohl bekannt ist: „...das ist doch das Museum mit dem Auto auf dem Dach!“

An einem Dienstagnachmittag fuhren wir also mit vier Bewohnern ins Kölnische Stadtmuseum. Nach einigen spontanen Änderungen hinsichtlich der Teilnehmer, ging es um kurz vor Halb Drei los. Angekommen, ausgestiegen, Rollstuhlfahrer  ausgeladen, das  Auto geparkt, und schon  wurden  wir  im  Eingangsbereich des  Stadtmuseums von Herrn Schmauck-Langer in Empfang genommen.

Bereits der Beginn wurde dabei durch Herrn Kirchmann mit kölschen Melodien versüßt. Anschließend ging es auch schon in Richtung Hänneschen-Theater, natürlich im Kleinformat und hinter einer Glasscheibe. Nachdem wir alle Bewohner aus Knollendorf kurz betrachtet hatten wurde das Augenmerk auf Tünnes & Schäl gelegt. Unsere Bewohner kennen die Figuren mit ihren Geschichten und so konnte jeder etwas dazu sagen.

Weiter ging es zu der Dame, der laut einer Sage, aufgrund ihrer Neugierde  zuzuschreiben ist, dass die Kölner ihre Arbeit wieder selber verrichten müssen: Die Schneidersfrau, die die Heinzelmännchen für immer aus Köln vertrieb. Zur Veranschaulichung brachte Herr Schmauck-Langer getrocknete Erbsen mit.

Mit dem Aufzug ging es dann in die zweite Etage wo wir uns auf dem Alter Markt im Jahre 1660 wiederfanden. Auch wenn es eine Schwarz-Weiß Darstellung war, wurde gesungen:  „...Die  Hüsjer  bunt om Aldermaat, sin Zeuge kölscher Eigenaat. Et süht grad us em Dunkele als wören se am Schunkele...."

Der Alter  Markt war Verkaufsplatz für verschiedene Lebensmittel und Handelswaren. Erinnerungen an Kappes in seinen verschiedensten Zubereitungsmöglichkeiten, wie beispielsweise als Kohlroulade oder eingelegtes Sauerkraut, wurden  geweckt.

Kutt erop, kutt erop

Weiterhin zeigte uns Herr Schmauck-Langer historische Keramiktöpfe zur Aufbewahrung von Hering und zum  Vergleich die moderne Variante, Heringsfilet aus der Blechdose.
Nachdem wir einen kurzen Halt an einer Miniaturnachbildung des Kölner Doms eingelegt hatten, führte unser Weg, mit musikalischer Begleitung ("Kutt erop! Kutt erop! Kutt erop! Bei Palms do es de Pief verstopp. Et hät die ärm Frau Palm die ganze Stuff voll Qualm. Kutt erop! Kutt erop! Kutt erop! Bei Palms do es de Pief verstopp. Et hät die ärm Frau Palm die  ganze Stuff voll Qualm!") zu einer Arbeiterküche um 1900.

Unsere Bewohner erinnern sich noch gut an die Erzählungen ihrer Eltern oder auch eigene Erfahrungen, wie etwa dass die Küche - als oft eines von nur zwei Zimmern - der Lebensmittelpunkt der Familie war. Dort wurde gewaschen, gekocht, gebadet und gegessen, häufig schliefen dort zudem auch Familienmitglieder.

Schokolade 

Am Ende der Führung betrachteten wir einen alten Schokoladenautomaten der Firma Stollwerk, der zu unserem Missfallen leider nicht gefüllt war. Herr  Schmauck-Langer hatte zum Glück vorgesorgt und so kamen wir doch noch in den Genuss von Schokolade.

Wir alle waren überrascht und auch ein bisschen traurig, dass unser Besuch im  Stadtmuseum schon vorbei sein soll - die Zeit war wie im Flug vergangen. Langsam gingen wir in den Eingangsbereich zurück und nahmen dabei noch einige flüchtige Eindrücke mehr aus der Kölner Stadtgeschichte mit. Es waren viele  Erinnerungen bei unseren Bewohnern geweckt worden, es wurde gesungen und gelacht. Nach einer kleinen Stärkung  ging es wieder ans Einsteigen und Einladen, denn nach zwei schönen Stunden mussten wir uns auf den Heimweg begeben.

Wieder in Riehl angekommen, sahen wir in zufriedene Gesichter und hörten auch in den nächsten Tagen von  dem einen oder anderen Bewohner noch, wie gut es ihm gefallen hatte. Auch wenn das Erlebnis nicht bei allen Bewohnern präsent bleiben wird, so hatten wir doch einen wundervollen Nachmittag und konnten gemeinsam ein bisschen in Kölns  Geschichte eintauchen.

Durch einfache  Sprache, der Möglichkeit, Dinge mit verschiedenen Sinnen zu erleben, und dem  Eingehen auf die Erfahrungen unserer Bewohner wurde schnell ein Zugang geschaffen, der es den Bewohnern ermöglichte, der Führung zu folgen. Der Besuch im Stadtmuseum war eine rundum gelungene Ergänzung unseres wöchentlichen Angebots "Kölscher Klaaf".

 

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