Kultur bewegt

Ein Besuch mit Menschen mit Demenz im Kölnischen Stadtmuseum :: Von Martina Schönenborn

Kunst bringt Menschen mit Demenz in Bewegung? Also machen wir uns auf den Weg ins Kölner Stadtmuseum. Wir sind zwölf: Bewohner und ihre Begleiter. Es ist kalt. Es regnet. Der Weg mit der KVB ist mühsam. Es gilt, Baustellen zu überwinden, Treppen zu umgehen. Aus einer kurzen Strecke wird ein langer Weg. Wir fragen uns, ob das das Ziel wert ist…

Die Antwort erhalten wir von den Bewohnern: Nach der freundlichen Begrüßung im Museum entspannen sich die Gesichter, ein Gespräch kommt auf, die Führung beginnt. Eine alte Frau erwacht bald aus ihrer Versunkenheit. Gespannt hört sie zu, als der Museumsführer von der neugierigen Schneidersfrau erzählt, die Erbsen auf der Treppe zur Werkstatt ausstreute. Die Frau erinnert sich an die Kölner Sage und klatscht freudig in die Hände, als ein Mann mit einem Akkordeon zu spielen beginnt. Leise singt sie mit: „Wenn jetzt die Heinzelmännchen kämen…“.
Andere Bewohner stimmen ein. Immer wieder wird die Führung durch Musik unterbrochen: "Bei Palms, da is die Pief verstoppt…", heißt es vor einer typischen Wohnküche von vor 100 Jahren. Mit gusseisernem Ofen und Zinkwanne. Der „Bütt“! Die Erinnerung an samstägliche Badetage: Wer, will unser Führer wissen, musste denn von der Familie als letztes darin baden?
Vor der großen Abbildung des historischen Alter Markts reicht der Museumsführer einen Kohlkopf herum. Bekanntes erinnern und sinnlich erfahrbar machen, nennt er das. Ganz nah schieben sich die Rollstuhlfahrer heran, um die großen "Kappes"-Haufen auf dem Bild auszumachen. „Eingelegt in Holzbottiche und dann wurde daraus der surre Kappes“, weiß eine Bewohnerin.
Und eine andere schwärmt: „Surre Kappes mit Hämmchen, meine Leibspeise!"
Zum guten Schluss hat der Museumsführer noch eine kleine Überraschung für uns. Vor einem alten Schokoladenautomat der Firma Stollwerk bietet er von den zarten Täfelchen an: „Eine kleine süße  Erinnerung!“ Sein Kollege spielt zum Abschied „Heimweh nach Kölle“.
Der Rückweg erscheint allen sonderbar kurz und mühelos. Kultur bewegt.

 

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