Menschen mit Demenz malen - Wie geht das?

Ute Schmidt-Hackenberg ist die Pionierin dieser zielgruppen-orientierten Maltechnik. Sie hat in ihrem Berufsleben viele praktische Erfahrungen gesammelt und kann in ihren Workshops eine Menge guter Tipps weitergeben. Die Ergebnisse dieser Malmethode sind wirklich beeindruckend und ermutigend.
Inzwischen habe ich selbst viele Malgruppen für Menschen mit Demenz durchgeführt. Es gibt ein paar Dinge zu beachten, um sie erfolgreich zu gestalten.  

Wenn ich für eine Malgruppe neue Vorlagen oder Themen vorschlage, habe ich zweierlei im Sinn:

  • Zunächst ein visuell-ästhetisches Erfolgserlebnis der Teilnehmenden, die sich gewöhnlich in unterschiedlichen Phasen der Erkrankung befinden. Häufig liegen noch andere - zumeist altersbedingte - Einschränkungen vor: Rollstuhl, halbseitige Lähmungen, Sprachprobleme sowie die 'üblichen' kognitiven Beeinträchtigungen.

    Der Kunstgriff, den man in der Begleitung anzuwenden hat, ist im Grunde simpel: man muss unentwegt loben. man/frau kann bei dieser Art von kreativem Malen nichts 'falsch' machen. Beständiges Lob und eine unaufdringliche, ermutigende Lenkung in Bezug auf Farbwahl und Formbeständigkeit sind unabdingbar. Auch wird von vornherein zur Prämisse: Es gilt kein "Ich kann nicht malen!".

 

Auf diese Weise entstehen überraschende, oftmals beeindruckende Farbkompositionen, die ihren Reiz nicht zuletzt aus den mit Bedacht gewählten Themen beziehen: 'Malen à la Mondrian', die Türme des Kölner Doms in schillernden Farben, eine Frau und ein Mann nebeneinander, die nur in ihren Silhouetten dargestellt sind, eine Blütenlandschaft und und und...

  • Als zweiten Aspekt habe ich die Außenwirkung im Blick. Die Arbeiten werden öffentlich ausgehängt, haben damit die Möglichkeit wahrgenommen und gewertschätzt zu werden. Dabei werden die Arbeiten der Teilnehmer en suite nebeneinander aufgereiht: individuelle Gestaltung, einfache Formen, beeindruckende Farbwahrheiten öffnen den Weg zur Anerkennung.

Demenz, das lehrt dieses Beispiel, birgt noch Möglichkeiten zu überraschender Kreativität. Demenz bedeutet nicht den Abschied von kultureller Teilhabe.

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