Menschen mit Down Syndrom im Kölner Stadtmuseum

Nach längerer Planung  besuchte eine Gruppe von Menschen mit Down Syndrom (Trisomie) das Kölner Stadtmuseum. Die Gruppe hatte eine der besonderen Führungen gebucht, die der Museumsdienst Köln in Zusammenarbeit mit dementia+art für Menschen mit Demenz anbietet. 

Das Kölnische Stadtmuseum bietet einen lebendigen Einblick in die Geschichte Kölns „wie es einmal war“. Menschen mit Demenz sind jedoch auf eine besondere Art der Kommunikation angewiesen. Deshalb wurden eigens für sie Führungen entwickelt.

Die von dementia+art geschulten Kunstvermittler sind vertraut mit der besonderen Art der Kommunikation, die die Ressourcen der Teilnehmer berücksichtigt. Die Führungen bieten - zusammen mit den musikalischen Akzenten des Akkordeonspielers - ein lebendiges sinnliches Erleben, das die Möglichkeit einschließt, an noch vorhandene Erinnerungen anzuknüpfen.

Hintergrund für den Besuch der Gruppe von Menschen mit Down Syndrom ist die - positive und zugleich tragische - Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung: Lag sie um 1900 noch bei 9 Jahren (!) so stieg sie Dank des medizinischen Fortschritts auf 60 Jahre an. Tragisch, weil Menschen mit Trisomie 21 ein mehrfach höheres Risiko haben, an einer Demenz zu erkranken - und dies deutlich früher als die Krankheit gemeinhin auftritt. Man geht davon aus, dass 40 - 50 Prozent der Menschen mit Down Syndrom im Alter von 40 Jahren von einer Demenz betroffen sind. 

Die vielfältigen Probleme, die sich für Angehörige und für betreuende Einrichtungen in Bezug auf eine zuverlässige Diagnose,  angemessene Versorgung und Unterbringung ergeben, haben zu Projekten wie 'Horizont' geführt: 'Leben mit geistiger Behinderung UND Demenz', des Caritas-Demenzzentrums Gelsenkirchen. In diesen Projekten geht es um die Frage, ob Angebote für Menschen mit Demenz im Altenbereich auch für die Gruppe von Menschen mit Down Syndrom UND Demenz passen. 

An Orten der 'Hochkultur' fand ein erster Versuch in der Philharmonie Essen statt, wo Jochen Schmauck-Langer von dementia+art in Kooperation mit dem WDR Sinfonieorchester ein Konzert für Menschen mit Demenz organisierte. Eine Gruppe von Menschen mit Down Syndrom UND Demenz hatte sich zu dem Konzert angemeldet. Die Teilhabe wurde ein großer Erfolg - und führte nun zum zweiten Versuch: der Teilnahme an einer Führung für Menschen mit Demenz im Stadtmuseum. 

Auch diese Teilhabe an einem Ort der 'Hochkultur' wurde von Betroffenen und Begleitern sehr gut aufgenommen: die respektvolle, emphatische Art der Vermittlung, die Ansprache auf Augenhöhe und die multi-sensorische Aufarbeitung wurden als etwas wahrgenommen, das es ermöglicht, jene "Inseln des Selbst" anzusteuern, die Ressourcen sichtbar machen - eine gute Voraussetzung, um diese in der Folge zu stärken.

Demnächst soll die positive Erfahrung im Wallraf-Richartz, einem Kunstmuseum, fortgesetzt werden. 

 

 

 

 

 

 

 

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