Newsletter 8/2025 :: Kulturelle Teilhabe: Museen, Musik + Führungen + Schulungen  ll  Erfahrungen

Liebe Leserinnen und Leser,

die Tage bin ich mit einer kleinen Gruppe von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in die Ausstellung „Kids take over“ von Francis Alys im Kölner Museum Ludwig gegangen. Kurze Videos, die uns Kinderspiele zeigen, in afrikanischen Kobaltminen, Fußball (ohne Ball) von Kindern in den Straßen zerstörter irakischer Städte, Sandburgenbauen gegen die Wellen am Nordseestrand. Spiele als eine intensive, unschuldige Einübung in unsere „rentable“ Welt.
Anfang der Woche stellte ich zweimal „Kleine Höhepunkte der Kunst“ digital für Menschen mit und ohne Demenz in Seniorenhäusern vor, im bergischen Erkrath und im niederrheinischen Moers. Voraussetzung für diese und viele andere Angebote kultureller Teilhabe sind oft Schulungen zur Kulturbegleitung, wie die für Häuser des Clarenbachwerks, mit einem Praxismodul im Museum Wallraf. Zwei Wochen nach der Schulung ist nun die erste Anfrage nach einer Führung für eine Gruppe von Menschen mit Demenz eingegangen. Ich freue mich darauf! – 
Neben diesen praktischen Beispielen für kulturelle Teilhabe möchte ich Sie von nun an auch ab und zu auf eher theoretische Aspekte von kognitiven oder psychischen Erkrankungen hinweisen: Man hat unsere Epoche der Erdgeschichte wenig schmeichelhaft „Anthropozän“ genannt: Es sind wir Menschen, die auf dem Planeten die prägendsten – weil zerstörerischsten – Spuren und Abdrücke hinterlassen. Nicht mehr Saurier oder die Einschläge von Asteroiden. Fragen nach der möglichen Orientierung in dieser Epoche und der Suche danach liegen nah. Orientierung (in uns selbst, in unserer engeren Gemeinschaft, in der Welt) ist eine der zentralen Kategorien für uns Menschen. Das gilt für Menschen mit Demenz, und es gilt auch für Menschen in den sogenannten Naturvölkern. Der Ethnologe Claude Lévi-Strauss hat seine Erfahrungen mit Ihnen in „Das Wilde Denken“ zusammengefasst. Ihre Art der Orientierung ist eher pragmatisch geprägt von vielen einzelnen Erfahrungen mit ihrer Umwelt, vom Lesen der Himmelserscheinungen, von Erzählungen innerhalb der indigenen Gemeinschaft. In unseren modernen Gesellschaften versuchen wir, ein technisch-wissenschaftlich-theoretisches Gesamtbild zu entwickeln. Aber das Grundbedürfniss nach jener Orientierung ist gleich. Menschen mit Demenz, das möchte ich in dem kleinen Aufsatz dazu zeigen, können dabei vielleicht sehr gute Vermittler sein.  

Ich freue mich auf Sie! 

Bleiben Sie neugierig!

Herzlich grüßt Sie aus Köln
Jochen Schmauck-Langer

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