'Der andere Blick' - Schweiz wagt Kultur und Demenz


C Museum Wallraf-Richartz

In Aarau, der Schweizer Kantonshauptstadt etwa 30 km südwestlich von Zürich, fand - organisiert von Careum - eine gutbesuchte Tagung zu Kultureller Teilhabe für Menschen mit Demenz statt. Sie verstand sich als Initialzündung, um das für die Schweiz noch recht neue Thema bekannter zu machen und um für Betroffene weiträumig Angebote in Museen, Konzerthäusern und anderen Kulturorten zu ermöglichen. 

Das andere Selbst

Am Vormittag wurde mit grundsätzlichen Überlegungen 'Das andere Selbst – Verständnisse von personaler Identität, Autonomie und Menschenwürde bei Menschen mit Demenz aus philosophischer Perspektive' durch den Philosophen Holger Baumann in den Blick genommen. Der Frage 'Demenz - was die Diagnose persönlich und gesellschaftlich auslöst' ging Irene Bopp-Kistler, leitende Ärztin an der Memory-Klinik der Universität Zürich vor allem für das Verhältnis von Betroffenen und ihren Angehörigen nach. Den Blick nach Europa weitete sodann Almuth Fricke von KUBIA mit 'Lang lebe die Kunst – Perspektiven kultureller Teilhabe von Menschen mit Demenz in Europa'.

Umzug ins Wallraf

Danach folgten die 'Praktiker': Jochen Schmauck-Langer von dementia+art in Köln gab einen simulierten Einblick - mittels Projektionen der Museumbilder 'Die Rasenbleiche' von Max Liebermann und 'Mädchen am Fenster' von Wilhelm Leibl (beide im Kölner Museum Wallraf-Richartz) sowie acht Freiwilligen aus dem Publikum - wie man sich nach dem Modell Teilhabe-orientierter Vermittlung von dementia+art einen Museumsbesuch von Menschen mit Demenz vorstellen kann.   

Dann blickte Hans Robert Schlecht von RosenResli auf 10 Jahre Kultur für Menschen mit Demenz im bundesrepublikanischen Südwesten zurück und beeindruckte durch vielfältige Erfahrungen und starke Netzwerke, beides in der langen Arbeit entstanden.

Best Practice

Klugerweise hatten die Ideengeberinnen für das Thema der Tagung, Beate Krützer und Michele Dubois von AkzentaNova, die ersten Praxisbeispiele aus der Schweiz ausgewählt: Virgine Schmutz, Museumspädagogin im Naturmuseum Winterthur, berichtete über erste Führungen für Menschen mit Demenz. Diana Lehnert, Leiterin Programm Musikvermittlung des Luzerner Sinfonieorchesters, konnte von sehr guten Erfahrungen mit Konzertangeboten für Menschen mit Demenz und ihre Begleitung erzählen.
Schließlich sprachen Bettina Hübscher, die Leiterin der Fachstelle für Altersfragen der Stadt Luzern, und der Gerontologe Thomas Kobi sehr offen über die Schwierigkeiten mit dem ambitionierten Projekt 'Trotzdem – Menschen mit Demenz erzählen Geschichten'. Das geplante Angebot im Kunstmuseum Luzern war am Modell „Aufgeweckte Kunstgeschichten“ nach der TimeSlips-Methode orientiert, scheiterte aber schließlich an logistischen Problemen und mangelndem Interesse.

 

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