10. - 11. 07.: Werden Sie ein kompetenter Kulturbegleiter für Menschen mit Demenz in Berlin

     

10.-11.07.2017: Ein Workshop von dementia+art in Kooperation mit der Alzheimer-Gesellschaft Berlin e.V. und dem Referat Bildung, Vermittlung, Besucherdienste der Staatlichen Museen zu Berlin

Das Bedürfnis nach Kultur und kultureller Teilhabe geht mit der Diagnose Demenz nicht automatisch verloren. Im Gegenteil: ein Museums- oder Theaterbesuch, Kino, Konzert, Ausstellungen - ein von Kunst und Kultur geprägtes Umfeld - kann Schlüssel zur emotionalen Welt von Menschen mit Demenz sein.

Seit einiger Zeit gibt es immer mehr Angebote von Museen und Konzerthäusern für Menschen mit Demenz - auch in Berlin und Ostdeutschland. Zugleich wollen auch immer mehr Pflege- und Betreuungseinrichtungen diese Angebote für ihre Kunden nutzen. Orte der ‚Hochkultur‘ sind jedoch vielfach mit Vorbehalten und Hemmnissen behaftet.

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Einfach schauen - Teilhabe-orientierte Vermittlung im Museum

Kein Bildungshintergrund, keine (kunst)historischen Kenntnisse die vorausgesetzt werden. Vielmehr geht es um drei oder vier Bilder/Objekte, die gemeinsam entdeckt werden. Nur auf der Basis dessen, was allen gemeinsam zugänglich ist. Einfach schauen!

Die Teilnehmenden bringen ihre eigene Lebenswelt, ihre Ressourcen, Wahrnehmungen und Erfahrungen ein. Und ihre Meinungen. Dabei gibt es kein Falsch. Der Museumsführer ist ‚nur‘ Moderator, der zwischen Einzelnem und Gruppe und dem Kunstwerk vermittelt. Voraussetzung dafür sind Objekte, die aufgrund ihrer ‚inneren Teilhabe-Orientierung‘ ausgesucht wurden.

Für die Teilnehmenden ergibt sich die Möglichkeit, auf der Basis von eigenen Ressourcen, jenseits von 'Bildungsauftrag' und 'Fachwissen' an einem herausgehobenen öffentlichen Ort erst einmal 'anzukommen' und dort selbst etwas beitragen zu können.

Bei dieser - beiläufigen - 'Schule des Sehens' darf der Blick zurückkehren zu einzelnen Kunstwerken. Das ästhetische Erleben wird dabei allein mit eigenen lebensweltlichen Inhalten erschlossen - eine Erfahrung, die das Selbstwertgefühl nicht nur von Menschen mit Demenz geradezu beflügeln kann.


>>> Was als Modell vielleicht simpel klingt, erweist sich auch für erfahrende VermittlerInnen als eine komplexe Herausforderung.

  • Für Museen bieten wir Inhouse-Schulungen zur 'Teilhabe-orientierter Vermittlung' an.
  • Außerdem finden Sie bei uns ausgesprochen praxis-orientierte Fortbildungen für VermittlerInnen in Museen
  • sowie für fortgeschrittene Studierende von Museumspädagogik, Kunstgeschichte, Kulturmanagement und ähnlicher Fächer

Bitte nehmen Sie Kontakt auf: Mobil: +49 (0)157 - 88 34 58 81 ::  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 

Bericht: Bedürfnis nach Liebe - und nach Kultur

In der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln vom 26.05.2017 ist ein Bericht über Gabriele Sauer erschienen. Sie ist Kulturbegleiterin für Menschen mit Demenz in einem Kölner Seniorenheim. In dem Artikel beschreibt die Autorin Almud Schricke sehr anschaulich verschiedene Museums- und Konzertbesuche im Kölner Raum, verschweigt dabei nicht die logistischen Schwierigkeiten, macht aber auch deutlich, dass diese 'KulTöurchen' eine Bereicherung für alle Beteiligten ist.



Kulturbegleiterin veranstaltet Museums- und Konzertbesuche mit Demenzkranken

Sie ist „die Frau Sauer mit den KulTöurchen". Um eine Verwechslung mit einer Mitarbeiterin namens Sauer auszuschließen, wird Gabriele Sauer von den Bewohnern eines Seniorenheims in Köln-Braunsfeld liebevoll nach dem benannt, was sie dort regelmäßig anbietet: Ausflüge zu kulturellen Veranstaltungen, kurz „Kul-Töurchen" genannt.

Gabriele Sauer ist ehrenamtliche Kulturbegleiterin für Menschen mit Demenz. „Die Bewohner haben trotz Hochaltrigkeit und Demenzerkrankung ein großes Interesse an Kultur", sagt sie. „Sie schwärmen von ihren früheren Opern- und Museumsbesuchen." Und wer in jungen Jahren gerne Ausstellungen und Konzerte besucht habe, möchte dies häufig auch im Alter tun.

Um dies zu ermöglichen, organisiert Sauer, die selbst kunstaffin ist, Besuche von Philharmonie-, WDR- und Kirchen-Konzerten sowie Führungen zum Beispiel in Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, im Museum für Ostasiatische Kunst oder in der Ausstellung „Eva's Beauty Case" im Rheinischen Landesmuseum in Bonn. Mit einer Gruppe von acht bis zehn Senioren und einigen Begleitpersonen macht sie sich dann auf den Weg.

„Das ist ein Tagesprogramm", erklärt Sauer. Für die Pflegekräfte bedeute es eine große Anstrengung, die Teilnehmer — die meisten weit über 80 Jahre alt — auf die Fahrt vorzubereiten. Aber die Senioren blühten jedes Mal richtig auf. (...)

>>> Den ganzen Artikel können Sie in der Kirchenzeitung des Erzbistums Köln vom 26.05. 2017/21 nachlesen oder auch hier als Pdf herunterladen.

Historisch gut. Menschen mit Demenz im Stadtmuseum.

Ein Bericht von Sarah Verborg, Soziale Betreuung Haus 5, Städtisches Seniorenzentrum Köln-Riehl.

Einmal wöchentlich findet bei uns im Haus 5 des Städtischen Seniorenzentrums Köln-Riehl der "Kölsche Klaaf" statt. In angenehmer Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen steht Köln mit seinen Wahrzeichen, Sagen und Legenden im Mittelpunkt eines geselligen  Nachmittags. Hierbei dürfen natürlich auch Kölsche Lieder nicht fehlen. Vor allem für unsere Bewohner sind die Erinnerungen an alte heimische Geschichten besonders wichtig, da diese im Langzeitgedächtnis abgespeichert und  auch bei einer  Demenzerkrankung noch weitestgehend präsent sind.

Kölsche  Klaaf

Als wir durch die Zeitschrift „KölnerLeben“ auf die Angebote von dementia+art aufmerksam wurden, stand für uns deshalb schnell fest: Wir besuchen das Stadtmuseum! Die Vorfreude war sehr groß, selbst einige unserer Ur-Kölschen Bewohner sagten, dass sie noch nie im Stadtmuseum waren, auch wenn ihnen das Gebäude wohl bekannt ist: „...das ist doch das Museum mit dem Auto auf dem Dach!“

An einem Dienstagnachmittag fuhren wir also mit vier Bewohnern ins Kölnische Stadtmuseum. Nach einigen spontanen Änderungen hinsichtlich der Teilnehmer, ging es um kurz vor Halb Drei los. Angekommen, ausgestiegen, Rollstuhlfahrer  ausgeladen, das  Auto geparkt, und schon  wurden  wir  im  Eingangsbereich des  Stadtmuseums von Herrn Schmauck-Langer in Empfang genommen.

Bereits der Beginn wurde dabei durch Herrn Kirchmann mit kölschen Melodien versüßt. Anschließend ging es auch schon in Richtung Hänneschen-Theater, natürlich im Kleinformat und hinter einer Glasscheibe. Nachdem wir alle Bewohner aus Knollendorf kurz betrachtet hatten wurde das Augenmerk auf Tünnes & Schäl gelegt. Unsere Bewohner kennen die Figuren mit ihren Geschichten und so konnte jeder etwas dazu sagen.

Weiter ging es zu der Dame, der laut einer Sage, aufgrund ihrer Neugierde  zuzuschreiben ist, dass die Kölner ihre Arbeit wieder selber verrichten müssen: Die Schneidersfrau, die die Heinzelmännchen für immer aus Köln vertrieb. Zur Veranschaulichung brachte Herr Schmauck-Langer getrocknete Erbsen mit.

Mit dem Aufzug ging es dann in die zweite Etage wo wir uns auf dem Alter Markt im Jahre 1660 wiederfanden. Auch wenn es eine Schwarz-Weiß Darstellung war, wurde gesungen:  „...Die  Hüsjer  bunt om Aldermaat, sin Zeuge kölscher Eigenaat. Et süht grad us em Dunkele als wören se am Schunkele...."

Der Alter  Markt war Verkaufsplatz für verschiedene Lebensmittel und Handelswaren. Erinnerungen an Kappes in seinen verschiedensten Zubereitungsmöglichkeiten, wie beispielsweise als Kohlroulade oder eingelegtes Sauerkraut, wurden  geweckt.

Kutt erop, kutt erop

Weiterhin zeigte uns Herr Schmauck-Langer historische Keramiktöpfe zur Aufbewahrung von Hering und zum  Vergleich die moderne Variante, Heringsfilet aus der Blechdose.
Nachdem wir einen kurzen Halt an einer Miniaturnachbildung des Kölner Doms eingelegt hatten, führte unser Weg, mit musikalischer Begleitung ("Kutt erop! Kutt erop! Kutt erop! Bei Palms do es de Pief verstopp. Et hät die ärm Frau Palm die ganze Stuff voll Qualm. Kutt erop! Kutt erop! Kutt erop! Bei Palms do es de Pief verstopp. Et hät die ärm Frau Palm die  ganze Stuff voll Qualm!") zu einer Arbeiterküche um 1900.

Unsere Bewohner erinnern sich noch gut an die Erzählungen ihrer Eltern oder auch eigene Erfahrungen, wie etwa dass die Küche - als oft eines von nur zwei Zimmern - der Lebensmittelpunkt der Familie war. Dort wurde gewaschen, gekocht, gebadet und gegessen, häufig schliefen dort zudem auch Familienmitglieder.

Schokolade 

Am Ende der Führung betrachteten wir einen alten Schokoladenautomaten der Firma Stollwerk, der zu unserem Missfallen leider nicht gefüllt war. Herr  Schmauck-Langer hatte zum Glück vorgesorgt und so kamen wir doch noch in den Genuss von Schokolade.

Wir alle waren überrascht und auch ein bisschen traurig, dass unser Besuch im  Stadtmuseum schon vorbei sein soll - die Zeit war wie im Flug vergangen. Langsam gingen wir in den Eingangsbereich zurück und nahmen dabei noch einige flüchtige Eindrücke mehr aus der Kölner Stadtgeschichte mit. Es waren viele  Erinnerungen bei unseren Bewohnern geweckt worden, es wurde gesungen und gelacht. Nach einer kleinen Stärkung  ging es wieder ans Einsteigen und Einladen, denn nach zwei schönen Stunden mussten wir uns auf den Heimweg begeben.

Wieder in Riehl angekommen, sahen wir in zufriedene Gesichter und hörten auch in den nächsten Tagen von  dem einen oder anderen Bewohner noch, wie gut es ihm gefallen hatte. Auch wenn das Erlebnis nicht bei allen Bewohnern präsent bleiben wird, so hatten wir doch einen wundervollen Nachmittag und konnten gemeinsam ein bisschen in Kölns  Geschichte eintauchen.

Durch einfache  Sprache, der Möglichkeit, Dinge mit verschiedenen Sinnen zu erleben, und dem  Eingehen auf die Erfahrungen unserer Bewohner wurde schnell ein Zugang geschaffen, der es den Bewohnern ermöglichte, der Führung zu folgen. Der Besuch im Stadtmuseum war eine rundum gelungene Ergänzung unseres wöchentlichen Angebots "Kölscher Klaaf".

 

Affenberge - Erinnern, Vergessen, Gefühl oder Verstand?

Unsicher und angespannt betrete ich den Kleinen Sendesaal, wo eines der Kammerkonzerte stattfinden soll, die das WDR-Sinfonieorchester zusammen mit dementia+art für Menschen mit Demenz anbietet. Im Saal waren etwa 90 Zuhörer, davon etwa 60 Menschen mit dementiellen Veränderungen, die zumeist in kleinen Gruppen aus dem Raum Köln und den angrenzenden Kreisen angereist waren. Das Durchschnittsalter gut 80 Jahre. Viele hatten deutliche kognitive und physische Einschränkungen, auf die das barrierefreie Format von Anfang an in Logistik, Musikauswahl und Moderation einzugehen versucht.

Das Konzert am 17.5. von 15 bis 16 Uhr hatte zwei klassische Musikteile, die beide aus dem aktuellen Programm des WSO stammten. Zum Schluss waren zwei Volkslieder vorgesehen, die gemeinsam von den Anwesenden gesungen und gespielt werden. Das erste Klassikstück stammte aus einem Streichquintett von George Onslow (1784 - 1853), ein seinerzeit erfolgreicher französischer Komponist, der auch in Köln gastiert hatte und von Zeitgenossen immerhin als der französische Beethoven bezeichnet wurde.

Wilde Nacht

Das zweite Stück war von einem tschechischen Komponisten der Vorkriegszeit: Pavel Haas (1899 - 1944), der mir zuvor freilich ebenso unbekannt war wie der ursprünglich aus England stammende Franzose George Onslow. Von ihm sollte etwas aus seinem Streichquartett "Von den Affenbergen" zu hören sein, nämlich die 'Wilde Nacht'. Letzterer konnte fakultativ ein Schlagzeug beigegeben werden - was auch sehr eindrucksvoll geschah!

In der Vorbereitung auf eine Moderation, die versucht, eher vertraute Kontexte der jeweiligen Musik aufzugreifen (Jahreszeit, Gefühle, Alltagserfahrungen...), las ich, dass die Affenberge nicht in Afrika zu vermuten waren. Vielmehr hatte eine beliebte Ausflugsgegend in der Nähe des tschechischen Brünn diesen Namen. Das Stück von Pavel Haas war eine beschwingte Landpartie, mit zart-romantischen Tönen bis hin zu dramatischem Gewitterdonner. Aber das war noch relativ vertraut.

Haas war einer der modernen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts, die auf die Brüche der Zeit (Industrialisierung und Massengesellschaft, 1. Weltkrieg, radikale Nationalismen...) mit anderen Tönen antworteten als noch das Jahrhundert zuvor. Das heißt, es gab eher ungewöhnliche Hörerlebnisse.

Jude, Nazis, Auschwitz

Hinzu kam, dass Pavel Haas Jude war und 1944 allein aus diesem Grund wie Millionen andere in Auschwitz von den Nazis umgebracht worden war. In einem Wikipedia-Eintrag zu ihm ist eine Abbildung eines ‚Stolpersteines‘ vor seiner letzten Wohnstätte in Brünn. Darauf heißt es (auf Tschechisch, in Übersetzung): HIER LEBTE PAVEL HAAS GEB. 1899 DEPORTIERT 1941 NACH THERESIENSTADT ERMORDET 1944 IN AUSCHWITZ

Das WDR Sinfonieorchester hatte das Stück ohne Zweifel auch ins Programm genommen, um an das Schicksal dieses Komponisten zu erinnern. (Kurz zuvor war im Übrigen eine große Ausstellung zu Otto Freundlich im Museum Ludwig gezeigt worden: Auch dieser "entartete" jüdische Maler und Bildhauer war von den Nazis 1944 ermordet worden.)

Von Haus aus Historiker habe ich mich intensiv mit deutscher und jüdischer Geschichte beschäftigt. Sollte ich also aus einer 'aufgeklärten' Haltung heraus etwas zum Anlass und zum Schicksal des Komponisten sagen? Oder sollte ich es verschweigen? Vielleicht aus einer ebenso 'aufgeklärten' Haltung heraus, nämlich der Kenntnis über das Krankheitsbild bei Demenz und darüber, dass hochaltrige Menschen dieser Generation häufig an traumatischen Erfahrungen (Nazizeit/Krieg/Flucht...) leiden, die gerade bei dementiellen Veränderungen schon durch geringe Anlässe aufbrechen können und dann kaum zu steuern sind... Dieser Widerstreit war der Grund für meine Anspannung.

Das eine tun und das andere...

In der Anmoderation erzählte ich also, dass Pavel Haas ein bekannter tschechischer Komponist der Vorkriegszeit gewesen sei, dass er überdies Jude war und dass in dieser Zeit für die Nazis allein schon dieser Umstand ausreichte, ihn – wie viele andere Menschen auch – in Auschwitz zu ermorden.

Da es bis dahin keine spürbare Reaktion im Kleinen Sendesaal gab, fuhr ich fort: dass wohl allen Anwesenden bekannt sei, wie flüchtig der Umgang mit der Erinnerung sein könne und dass ich es deshalb großartig fände, wie eine jüngere Musikergeneration an das Werk eines solches Mannes erinnere. Das Streichquartett „Von den Affenbergen“ sei viele Jahre vor diesen schrecklichen Ereignissen entstanden, Pavel Haas sei damals noch ein junger Mann gewesen, und die Affenberge seien ein beliebtes Naherholungsgebiet gewesen. In der Musik gehe es also um Eindrücke während einer beschwingten Reise aufs Land...

Gespielt wurde der letzte Satz, die ‚Wilde Nacht‘ und das Schlagzeug sorgte eindrucksvoll für die dramatische Zuspitzung. In Pavel Haas' neoklassischer Musik tauchen auch gelegentliche Jazz-Elemente neben Volksliedtönen oder jüdischen Traditionen auf, Töne und Rhythmen können sich überlagern. Mir gefiel dieser 'Kompositionssound' der 20er Jahre, ich empfand ihn als spannend. Zugleich war mir klar, dass diese Musik nicht unbedingt den Hörgewohnheiten sehr alter Menschen entsprach.

Am Ende freundlicher Applaus.  Bei den beiden ‚frühlingshaften‘ Volksliedern am Ende des Konzerts mischte sich wieder - empfindsam improvisierend – das Schlagzeug in das Quartett der Streichinstrumente und trug zum (traditionell) emotionalen Höhepunkt des Konzertnachmittags bei.

Erinnern oder Vergessen

Demenz stellt vieles auf den Kopf, sodass es nicht mehr eindeutig ist. Vieles erscheint ungewiss und wir erfahren oftmals, dass wir ‚aufgeklärt‘ ziemlich danebenliegen können. Ob meine Moderation ein Ausdruck des Verstandes war oder des Gefühls, ob ich die Besucher mehr im Blick hatte oder Pavel Haas – ich hätte es nicht sagen können.  Demenz greift oftmals in unser gewohntes, kognitiv-abgesichertes Verhalten in einer Weise ein, dass uns nur Annäherungen bleiben an das, was ‚richtig‘ sein könnte.

Übrigens ergab die Evaluation später, dass die Moderation (‚Jude‘, ‚Nazis‘) kein Thema des Anstoßes gewesen war, wohl aber die ‚herausfordernde‘ Musik an sich. Man wünschte sich wieder etwas, das vertrauter war.

20.-21.6. Köln, Museum Ludwig - Teilhabe-orientierte Vermittlung für Menschen mit Demenz im Museum


C Museum Ludwig

Die Kommunikation mit Menschen mit Demenz ist, vor allem bei einer mittleren und fortgeschrittenen Phase der Erkrankung, nicht ganz einfach. Zugleich zeigt es sich, dass Gruppen, die in die Museen kommen, gewöhnlich nicht homogen sind und dass der oder die Museumsbegleiterin vor der Aufgabe steht, auch Menschen jenseits einer 'frühen' Phase gerecht zu werden.

Die Fortbildung richtet sich an MuseumsmitarbeiterInnen im deutschsprachigen Bereich, die bereits erste Erfahrungen mit Führungen für diese Zielgruppe haben, die aber sicherer in der Vermittlung werden oder ein anderes Vermittlungsmodell kennenlernen wollen.

Der Workshop beginnt mit einem ausführlichen Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden, in dem bisherige Angebote und Schwierigkeiten zur Sprache kommen sollen. Danach (1 1/2 Tage) findet die praktische Übung vor ausgewählten Objekten in unterschiedlichen Sammlungsbereichen des Museum Ludwig statt. Dabei blenden wir kunsthistorische Voraussetzungen weitgehend aus und nähern uns, auf der Basis dessen, was für alle zu sehen und zu erkennen ist, einer Teilhabe-orientierten Vermittlung für Menschen mit und ohne (!) Demenz. 



Zielgruppe
: Kulturbereich (Bitte beachten Sie, dass die Kenntnisse über das Krankheitsbild vorausgesetzt werden!)
Themen: Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden über bisherige Erfahrungen im Museumsraum / kurzer theoretischer Input / praktische Übungen zur Vermittlung im Museumsraum / gemeinsame Reflektion zum Abschluss
Ort: Köln, im Museum Ludwig: http://www.museum-ludwig.de/
Anfahrt:
Das Museum liegt unmittelbar am Kölner Dom und am Rhein / neben dem HBF.
Dauer
: 2 Tage (Di-Mi 10-17 Uhr)
Termin: 20.-21. Juni 2017   //  Anmeldeschluss: 13.6. 2017
Kosten: 120 Euro (Teilnehmende aus Kölner Museen: 60 Euro)

Sie erhalten eine Teilnahmebescheinigung.
Bitte beachten Sie, dass kein Catering vorgesehen ist. Das große Café/Restaurant 'Ludwig' ist im Museum. Zahlreiche Bäckereien und Imbisse sind fussläufig erreichbar.  

Mehr Infos und Anmeldung: Jochen Schmauck-Langer :: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!   ::  0157-88345881

Kooperationspartner: Museum Ludwig und Museumsdienst Köln

                


Was wir machen: Kurz + Knapp

 

dementia+art hat ein Modell kultureller Teilhabe für Menschen mit und ohne Demenz entwickelt. Es stellt sich der demografischen Entwicklung und will den damit verbundenen gesellschaftlichen Wandel aktiv im Sinne von Inklusion mitgestalten.


  • >>> Unser Infoblatt Kurz + Knapp können Sie unten
    bequem herunterladen bzw. als Link weiterreichen

ZUNÄCHST...
•    ‚Therapeutische‘ Angebote wollen wir nicht machen.
•    Wir haben auch keinen herkömmlichen ‚Bildungsauftrag’
•    Aber wir haben eine Haltung: geprägt von Respekt, Wertschätzung und Empathie

Was Sie erwarten können?
Eine schöne Zeit – für alle Beteiligten

Wir kennen uns aus mit dem Krankheitsbild Demenz und mit den Bedarfen von Pflege / Betreuung / Demenz, weil wir jahrelang Menschen mit Demenz betreut haben. Auch die besondere Kommunikation ist uns vertraut.

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Noch Plätze frei! Musik erleben! WDR-Konzert für Menschen mit Demenz 17.5. in Köln

Auf dem Programmzettel stehen Bezeichnungen wie 'Wilde Nacht', 'Von den Affenbergen' oder 'Allegro grandioso' - es ist mitten im Frühling, was will man mehr? Der WDR und das WDR Sinfonieorchester bieten zusammen mit dementia+art auch in diesem Jahr wieder barrierefreie und kostenlose Kammerkonzerte für Menschen mit Demenz an. Wir laden Sie am 17. Mai um 15 Uhr ein, das ganz besondere Konzert zu erleben, mit gemeinsamem Singen und Musizieren zum Schluss!

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