Spargelzeit

"Der ist nicht richtig hart!" Ein alter, weißhaariger Mann beschreibt in einer Führung für Menschen mit Demenz im Wallraf-Richartz Museum ein Gemälde von Edouard Manet. Seine Meinung unterstreicht er mit einer Geste, führt dabei Daumen und Zeigefinger der rechten Hand bis auf etwa zwei Zentimeter zusammen: "Der ist irgendwie - weich!" 

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Newsletter 6_2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

es gibt außer Alzheimer viele Arten dementieller Veränderungen und noch mehr Menschen, die darunter leiden. Zumeist sind es hochaltrige Menschen über 80 Jahre, die sich in einer frühen, mittleren oder späten Phase befinden. Aber es gibt auch immer mehr jüngere Menschen, die betroffen sind. Jede dieser 'Phasen' hat ihre eigenen Möglichkeiten und Bedingungen und natürlich ganz individuelle Ausprägungen in Bezug auf die Ressourcen der Betroffenen.
Das gilt auch für Angebote, die Kulturinstitutionen für diese keineswegs einheitliche Zielgruppe machen möchten. Ein langer und aufwändiger Prozess, der zudem ein umfangreiches, stabiles Netzwerk hin zu Betroffenen, Angehörigen sowie Pflege- und Betreuungsinstitutionen voraussetzt. Letztlich kann es sich bei solchen Angeboten im Kulturraum (die in der Regel für Gruppen gedacht sind) nur um Annäherungen an vermutete innere Ressourcen handeln.
dementia+art bietet seit geraumer Zeit mit seinen Kulturpartnern differenzierte Angebote für Menschen mit Demenz in einer frühen, mittleren und späten Phase an - sowohl in Museen als auch im Konzertbereich. In diesem Kontext empfehle ich den Artikel zu Kulturangeboten für "Die jungen Wilden", den Sie unter 'Neu' verlinkt finden.

Herzlich grüßt Sie aus Köln

Jochen Schmauck-Langer, dementia+art

Zum aktuellen Newsletter 6_17:  H i e r

Newsletter 5_2017

Sehr geehrte Damen und Herrren,

wir haben in den letzten Wochen die zahlreichen Kulturtermine, die Sie bisher im Newsletter gefunden haben, für die Webseite von dementia+art überarbeitet. Es gibt auch mehr Kulturbereiche. Diese sind verlinkt und damit leicht ansteuerbar. Auch die inhaltlichen Kategorien des Newsletters sind jetzt direkt anzuklicken. Der Newsletter soll dadurch übersichtlicher und serviceorientierter werden. Ich hoffe, das ist uns gelungen.

Herzlich grüßt Sie aus Köln

Jochen Schmauck-Langer, dementia+art

Zum aktuellen Newsletter 5_17:  H i e r

Hebammenkunst

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine  bisher jüngste Teilnehmerin war eine Frau, die gerade 50 Jahre geworden war. Alzheimer. Lange war mir nicht klar, ob sie zu den Betreuenden der Gruppe gehörte oder einer unserer ‚besonderen’ Gäste war. Die älteste war eine 102 Jährige, sehr vital, mit leichten kognitiven Eintrübungen. Das Durchschnittsalter aller liegt gewiss über 80 Jahre. Arbeiter, Hausfrauen, ehemalige Professoren und Ärzte. Gut erinnere ich mich  an einen Schrotthändler. Über die Hälfte der Besucher waren noch nie in einem Kunstmuseum: „So viele Bilder hier!

An einen Mann erinnere ich mich, weil er nahezu alles Gesagte wiederholte (Echolalie) – natürlich auch die Äußerungen anderer. Ein oder zwei Personen erwiesen sich als so unruhig, dass sie ständig auf und davon strebten. Zwei oder drei Frauen zeigten rasch in den ungewohnten Räumen Angstgefühle. Und ein ehemaliger ‚Gastarbeiter’ hatte im Lauf seiner Demenz all seine deutschen Sprachkenntnisse wieder verloren, beteiligte sich aber überaus eifrig in seiner Muttersprache auf Italienisch. Nicht selten sind auch Besucher bei der Gruppe, die - im Sinne der Mäeutik - fast versunken scheinen, in ihrer eigenen Welt. Wirklich ‚herausfordernd’ in bisher rund 150 Führungen sind freilich die wenigsten gewesen – nicht zuletzt durch eine ‚Vorauswahl’ der Begleitenden (Pflegekräfte, Angehörige, Ehrenamtler), die ‚ihre’ Menschen mit Demenz am besten einschätzen können.

Was brauchen Menschen mit Demenz im Museum?

Zunächst das Gefühl angenommen zu werden. Aber auch Orientierung, Sicherheit und vor allem Wertschätzung. Doch das ist bei einem Krankheitsbild mit sehr unterschiedlichen Phasen und Verläufen leichter gesagt als getan...

Die ‚Hebammenkunst’ (‚Mäeutik’, nach Sokrates, und dann bei der niederländischen Pflegewissenschaftlerin Cora van der Kooij): also das kundige Hervorholen von etwas Vorhandenem, Bekannten, ist ein wichtiger Aspekt einer Teilhabe-orientierten Vermittlung. Ziel ist dabei jedoch nicht zuerst Erkenntnis als Wissensvermittlung, sondern ‚Erkenntnis’ als Ressourcenstärkung und Selbstvergewisserung an einem so hervorgehobenen öffentlichen Ort wie einem Museum ungeachtet von Krankheiten, Alter, Bildungshintergrund... etwas Wesentliches beitragen zu können.

Diese Aktivierung gestalten wir gezielt  als ein Heranführen an jene ‚Lichtungen‘, die im voranschreitenden kognitiven Abbau manchmal auftauchen können. Dies setzt eine bewusste  Auswahl einiger weniger Kunstwerke voraus. Diese müssen das Potential haben, das ein von Neugier getriebener Moderator sie von Menschen mit Demenz (auf der Basis dessen, was für alle sichtbar ist) entdecken lässt: verbal und nonverbal, auf der Basis von Kenntnissen, Fertigkeiten, Erinnerungen und Erfahrungen und einer glaubhaften, respektvollen Wertschätzung für jeden einzelnen Beitrag.

Der Kommunikationsprozess in der ‚Teilhabe-orientierten Vermittlung’ im Museumsraum setzt durchaus einen Plan, einen ‚roten Faden’ voraus. Und es ist die nicht ganz einfache Aufgabe eines emphatischen Moderators (Geburtshelfers), stets wieder jenen roten Faden anzusteuern, ohne ein eigenes Erleben und Entdecken eines Kunstwerks für den Einzelnen und für die Gruppe aus den Augen zu verlieren.
Wo Lichtungen auftauchen, kann ein ‚Auftauen’ aus der Erstarrung sichtbar werden, zumindest zeitweise: für alle Beteiligten oftmals eine staunenswerte, nachdrückliche Erfahrung.

Herzlich grüßt Sie aus Köln
 
Jochen Schmauck-Langer
 
[Vorwort zum Newsletter 2/17 von dementia+art]

Selbstoptimierung und Demenz

Das Jahr 2016 war für mich mit dementia+art sehr erfolgreich. Doch Erfolg hat seinen Preis. Um am Jahreswechsel einmal auch davon zu sprechen: Als freiberuflicher Dienstleister in einem noch sehr neuen Bereich spüre ich mittlerweile deutlich das Maß der Anforderungen – die ich wiederum selbst geschaffen habe. Nicht zuletzt um erfolgreich bestehen zu können.
Was ist das, was uns in dieser Weise mehr oder minder alle antreibt?
„Selbstoptimierung“. Der Begriff wird seit ein zwei Jahren immer geläufiger.
Ursprünglich bezieht sich der Begriff auf einen in der Biologie beschriebenen Vorgang (Autopoiesis = griechi. „sich selbst schaffen“). ALLEN Lebewesen, Pflanzen, Tieren, Menschen, ist er immanent und dient der Selbsterhaltung eines biologischen ‚Systems’. Selbst-Aktualisierung als entscheidende Lebenskraft, die dazu führt, die Fähigkeiten eines Menschen jeweils zu maximalisieren. Von Überforderung, Ausbeutung und Selbstausbeutung, Stress, Burnout ist da nicht die Rede. Gleichwohl scheinen die gesellschaftlichen und die persönlichen Bedingungen dieser Jahre immer mehr Menschen genau dort hinzuführen – ohne dass eine brauchbare Alternative sichtbar wäre.
Freilich: Auch dieser Newsletter von dementia+art soll keine Klagemauer sein, sondern widmet sich wie stets den Schnittmengen von  Kultur und Demenz.
Bei Menschen mit Demenz spricht man mit fortschreitender Erkrankung von einer ausgeprägten ‚Selbstaktualisierungsschwäche’. Die um sich greifende Volkskrankheit entzieht sich augenscheinlich allen kognitiv abgestützten, „nützlichen“, „logischen“, „vernünftigen“ Existenz- und Verhaltensweisen, mit denen und von denen unsere Gesellschaft lebt.
Menschen mit Demenz steigen da aus!
Das ist keine Handlungsanweisung... vielmehr ist es  e i n  mögliches Deutungsmuster. Es gibt andere. Sie sind wichtiger Teil unserer Schulungen und dienen der (notwendigen) Verschränkung von ‚den’ scheinbar so Kultur- und Verhaltens-fremd agierenden Menschen mit Demenz – und uns.
 
Als der jemand, der auch an diesem Jahreswechsel keinen Ausweg weiß - weder für ‚Gesellschaft’ noch für sich selbst - grüße ich Leser, Kooperationspartner und Freunde mit den besten Wünschen für ein gutes Jahr
 
herzlich aus Köln
 
Jochen Schmauck-Langer

[Vorwort zum Newsletter 1/17 von dementia+art]

 

KULTURTERMINE KÖLN Jan - März 2017

Kulturelle Angebote für Menschen mit und ohne Demenz

An Multiplikatoren (Beratungsstellen, Pfarrämter, Arztpraxen, Apotheken, Tagescafés und Selbsthilfegruppen) richtet sich der Wunsch, Menschen mit Demenz, die noch im familiären Umfeld leben, auf unsere besonderen Kulturangebote hinzuweisen. Wir würden uns freuen, wenn Sie die Termine auslegen bzw. aushängen könnten. DANKE!


TERMINE für Januar - März 2017
>>> Auch im Anhang zum bequemen PDF-Download

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KULTURTERMINE Februar-März 2016

Konzerte  

Happy Hour- Konzerte in der Philharmonie Köln

Wir empfehlen diese Konzertreihe besonders auch für Menschen in einer frühen Phase ihrer Demenz, die in der Familie leben. Genießen Sie zusammen mit Ihren Angehörigen und Freunden in der wunderbaren Kölner Philharmonie bei klassischer Musik eine Schöne Zeit!

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