Sich ein Bild machen - Menschen mit + ohne Demenz im Kölner Museum Wallraf

Im Wallraf-Richartz-Museum fand eine Führung für das Caritas-Seniorenhaus St. Bruno in Köln statt. Teilnehmer*innen waren Menschen mit und ohne kognitive Beeinträchtigungen. Sie wurden von zwei Fachkräften aus dem Bereich Sozial-Kulturelle Betreuung des Seniorenhauses begleitet. Das Haus bemüht sich seit Jahren um vielfältige Teilhabe für seine Bewohner*innen. Dabei wird immer wieder auch auf kulturelle Teilhabe Wert gelegt. Die kleine „Bildergeschichte“ soll einen Eindruck über die Ziele und Besonderheiten einer solchen Führung geben - und auch klären, warum wir am Ende zum "schönsten Bild des Museums" gehen.

Museumsbegleiter und Text: Jochen Schmauck-Langer von (de)mentia+art.  Fotos: Dina Mroczowski


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(de)mentia+art :: Newsletter Oktober 2022

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

"Darüber reden hilft!" - Aber was soll das heißen...? (de)mentia+art versucht mit seinen Angeboten einer Spanne von Besuchern gerecht zu werden, die von Schülern mit psychischen Beeinträchtigungen bis zu hochbetagten Menschen mit dementiellen Veränderungen reicht. Das ist in diesen vielfach bedrückenden Zeiten gerade in den sensiblen Bereichen Kultur und Pflege/Betreuung nicht immer leicht. Was können wir also tun? Vielleicht hilft eine schon alte Erfahrung ein Stück weiter: "Darüber reden hilft!" - Wer zu uns in die Museen kommt und an einer Führung teilnimmt, hat immer die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Von Anfang an bis zum Schluss. Es gibt keine Bildungsvoraussetzungen, kein Falsch. Aber natürlich gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen und jede wird gewertschätzt, jede kann die Gruppe, die sich vor einem Bild oder Objekt versammelt hat, ein Stück weiterbringen. Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen erleben sich und ihre Beiträge zu ganz unterschiedlichen Kontexten als wichtig und bedeutsam. Das aktiviert Ressourcen, kommt manchem angeschlagenen Selbstwertgefühl zugute. An öffentlichen Orten, die mit ihrem Reichtum an unterschiedlichster Kunst vor allem eines nicht sind: Alltag. Menschen sollen sich ungeachtet der Zeiten selbst erleben und bei unseren Führungen - auch dadurch - eine schöne Zeit haben.

Wir freuen uns auf Sie!

Bleiben Sie gesund!

Herzlich aus Köln
Jochen Schmauck-Langer
 
PS: Wenn Sie Ihren Besuchern oder Bewohnern auch solche Führungen ermöglichen wollen, fragen Sie bitte nach unseren teilhabeorientierten Fortbildungen für Kultur- oder Pflegeeinrichtungen.

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Zum aktuellen Newsletter 05_2022: H i e r

Kulturtermine Köln: analog + digital / Sept. - Dez. 2022

MUSEUMSFÜHRUNGEN

Wenn Sie eine Museumsführung planen, vereinbaren wir gerne mit Ihnen eine Führung für Menschen mit kognitiven (Demenz) oder psychischen Beeinträchtigungen. Neben unseren Führungen in Kölner Museen bieten wir auch ortsunabhängige digitale Museumsführungen an. in diesem Fall sind wir gerne bei den technischen Voraussetzungen behilflich. Auch Wunschtermine sind möglich.

> Für alle Museumsführungen ist es notwendig sich vorher anzumelden! KONTAKT   Jochen Schmauck-Langer: schmauck.langer(at)live.de  //  0157 88345881



MUSEUMSFÜHRUNGEN für Menschen mit kognitiven (Demenz) oder psychischen Beeinträchtigungen - analog oder digital

Wallraf-Richartz-Museum
Vom Goldenen Zeitalter bis zum Impressionismus – Highlights aus den Sammlungen

Ein melancholischer Blick, mit dem die junge Frau uns entgegenschaut... Ein alter Mann, der über seine Einnahmen Buch führt - oder über sein Leben. Und ist der Spargel tagesfrisch und wie ist das Bündel gemalt? Die wunderbare „Rasenbleiche“ – und wie Liebermann auf Kritik reagierte...
In vielen der Werke begegnen uns nicht nur leuchtende Farben, sondern auch vertraute Gefühle und wichtige Erfahrungen unserer Existenz, die wir gemeinsam entdecken wollen.

TERMINE  H i e r

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[Susanna und die Ältesten, 1610, Artemisia Gentileschi]

SONDERAUSSTELLUNG
Museum Wallraf
Susanna - Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo
(28.10.2022 - 26.02.2023)

Als Susanna im Bade wird die biblische Erzählung von der Rettung der Susanna durch den Propheten Daniel bezeichnet. Wer also von der aktuellen Ausstellung dazu im Museum Wallraf viel nackte Haut erwartet, wird nicht enttäuscht. Doch die klug gemachte Inszenierung versteht sich zunächst als eine Schule des Sehens, bei der wir letztlich entscheiden müssen, ob wir Voyeur*in oder Zeuge*in sein wollen. Dabei wird mit der Darstellung der Gerichtsverhandlung und der Verurteilung der beiden Alten gleich zu Beginn die moralische Integrität der biblischen Susanna als Grundlage festgehalten. Es folgen etwa 70 Darstellungen aus der Kunstgeschichte. Besonders interessant für Momente einer genaueren Wahrnehmung erscheinen Arbeiten aus dem 19.Jh. von Francesco Hayez und Jean-Jacques Henner - und natürlich von Artemisia Gentileschi (s.o.) samt der beeindruckenden kreativen Rezeption durch die amerikanische Künstlerin Kathleen Gilje.
(de)mentia+art hat wie stets besondere Führungen dazu vorbereitet. In ihnen wollen wir einige Bilder gemeinsam entdecken, ohne kunsthistorische Voraussetzungen, nur auf der Basis dessen, was für alle zu sehen ist. Eigene Empfindungen und Wahrnehmungen sind sehr erwünscht.
Mehr Infos: H i e r

TERMINE 02.11. 15 Uhr l 10.11. 10.30 Uhr l 17.11. 15 Uhr l 24.11. 10.30 Uhr l 30.11. 15 Uhr l 13.12. 15 Uhr l 14.12. 10.30 Uhr l

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VORWEIHNACHTLICHES SPECIAL
Christi Geburt und die Heiligen 3 Könige. Für Menschen mit Demenz in der Familie (analog + digital)


[Bild: Gerrit van Honthorst: Anbetung der Hirten,
Wallraf-Richartz-Museum l rba_d045127]

Überlieferung und Darstellung der Geburt Christi hat sich im Gang durch die Jahrhunderte immer wieder verändert. Wir wollen einige besonders schöne Bilder aus verschiedenen Sammlungen des Museum Wallraf gemeinsam entdecken.  Wie stets machen wir das ohne kunsthistorische Voraussetzungen, nur auf der Basis dessen, was für alle zu sehen ist. Eigene Empfindungen und Wahrnehmungen sind in diesem interaktiven Format sehr erwünscht.
>  Die Führung wird analog + digital angeboten. Das digitale Format ermöglicht dabei ein einfaches Erkennen selbst von kleinsten Details eines Museumsbildes.

TERMINE: 03.11. 10.30 Uhr l 04.11. 15 Uhr l 08.11. 15 Uhr l 15.11. 15 Uhr l 13.12. 10.30 Uhr l 15.12. 15 Uhr l 16.12. 10.30 Uhr (digital)

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Museum Ludwig
Klassische Moderne, Pop Art und Gegenwartskunst - Highlights aus den Sammlungen

Im Labyrinth des Lebens werden wir vor der Entscheidung gestellt zwischen „Hauptweg und Nebenwegen“. Ein trauriger Harlekin hat die Hände untätig in den Schoss gelegt. Ein Mann und eine Frau wirken einsam und allein und werden doch nur durch das Schaufenster eines Cafés getrennt. Und eine junge Frau überlegt, warum man sie versetzt hat und wie sie jetzt reagieren soll.
In vielen der Werke begegnet uns Kunst in neuen Farben und Formen. Damit verbunden sind jedoch stets auch vertraute Gefühle und wichtige Erfahrungen unserer Existenz, die wir gemeinsam entdecken wollen.

TERMINE: H i e r
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Museum Schnütgen
Seifenblasen und Haute Couture – Highlights aus den Sammlungen

Zu Beginn der Führung stellen wir (auch digital) dieses besondere Museum vor und lassen die Aura der romanischen Cäcilienkirche, des größten Ausstellungsraums, auf uns wirken.
Danach entdecken wir gemeinsam einige ausgewählte Kunstwerke, wie stets ohne Vorkenntnisse, nur auf der Basis dessen, was für alle zu sehen ist. In den sakralen Sammlungen begegnen wir vertrauten Gefühlen und wichtigen Erfahrungen unserer Existenz: Ein Mann, dem als König gehuldigt wird, obwohl er nur auf einem Esel reitet. Eine zutiefst trauernde und doch ungebeugte Maria. Ein kraftvoller Joseph, der liebevoll auf das Jesuskind schaut. Und die Anbetung der Heiligen 3 Könige, Licht-durchflutet, auf einem Kirchenfenster.

TERMINE: H i e r

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Kölnisches Stadtmuseum (zurzeit nur digital)
Das Alte Köln erleben – Highlights aus den Sammlungen

Im Köln „wie es einmal war“ begegnen wir ebenso den Heinzelmännchen wie Tünnes und Schäl. Wir nähern uns aber auch dem historischen Alter Markt und nehmen eine Arbeiterwohnküche mit den Lebensbedingungen vor 100 Jahren in den Blick. Auch der Rhein, die Lebensader Kölns, kommt nicht zu kurz. Wir besuchen auf einem Dampfer das Siebengebirge und erleben die „Rheinromantik“ in einer lauen Sommernacht, bei der die Waldmeisterbowle nicht fehlen darf. Mit musikalischen Akzenten.

TERMINE: ab Spätherbst 2023 im neuen Stadtmuseum H i e r

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[Merlin Bauer, »Liebe Deine Stadt I« 2005 (Sammlung RheinEnergie © VG Bild-Kunst)]

Kolumba – Kunstmuseum
Ort und Subjekt - »Dafür sorgen, dass hier zu sein genügt« (Roni Horn)
(15.09.2022 - 14.08.2023)

Was macht es aus, »hier« zu sein, und was macht das »Hier« überhaupt aus? Wie nehmen wir uns – bewusst oder unbewusst – an Orten wahr und was machen Orte aus uns? Wie erinnern wir uns an Orte? Wie gehen wir mit Orten um, die wir nicht erreichen können? Spielen diese Orte für unsere Vorstellungskraft eine Rolle? Sind Orte, wenn wir sie verlassen, vergangen? Was geschieht mit ihnen, wenn sie nach ihrem Untergang von neuen Geschichten überschrieben werden? Kolumba selbst liefert den Ausgangspunkt dieser Fragen, indem es eine 2000jährige (Bau-)Geschichte und mehrfache Überschreibungen – etwa von Kirche und Friedhof zu Museum und Garten – sichtbar macht.
Die Erfahrung, einen Ort zu verlassen, das Aufgeben gesicherter sozialer, politischer und kultureller Zusammenhänge gehört zur existentiellen Erfahrung von Millionen von Menschen, gerade auch in der Gegenwart. Kultur ist nicht einheitlich, sondern vielstimmig, ein Zusammentreffen vieler kollektiver Gedächtnisse und Erinnerungsgemeinschaften. Was bedeutet das für uns und unsere Orte? Welche Erzählungen und Konzepte sind mit ihnen verbunden und wie werden sie hergestellt? Welche Privilegien genießen diejenigen, die zur Mehrheit gehören, und welchen Ort weisen wir »den Anderen« zu?

Mehr Infos: H i e r

Zu Beginn der Führungen stellen wir dieses besondere Museum in einigen anschaulichen Beispielen zur Architektur vor, die mehrfach ausgezeichnet wurde. Wir betreten die wichtigsten Räume des Museums: von den Ausgrabungen mit dem legendären „Lichtmauerwerk“ bis zu den Türmen im zweiten Stockwerk.

TERMINE: H i e r

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Highlights aus den Sammlungen des Museums und der Ausstellungen der letzten Jahre (nur digital)

  

Termine: (digital, je 60 Min.) 14.11. 18 Uhr l  H i e r

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MEHR INFOS

Führungen für Menschen mit Demenz: H i e r
Führungen für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen: H i e r
Sie wollen die neuen digitalen Angebote ausprobieren? Eine kurze Handreichung zum Ablauf und den technischen Voraussetzungen: H i e r

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Bildrechte:
Leibl, Mädchen am Fenster, Wallraf-Richartz-Museum // © rba_c008646
Paul Klee, Hauptweg und Nebenwege, Museum Ludwig // © rba d039386_01
Trauernde Muttergottes | Museum Schnütgen // © rba_c000438 //
Schneidersfrau vom Heinzelmännchenbrunnen, Kölnisches Stadtmusem // © RBA L 14 846/10
Foto: // © Kolumba Museum, Ausgrabung_02_Landwehr jpg
Foto: // © Kolumba Museum, K 1013 04 Geisselbrunn Schnepf

 

11. - 13.10.2022 Dresden Fortbildung: Kulturbegleitung für Menschen mit Demenz

    

[Museum Wallraf, Köln: Führung für Menschen mit Demenz]

Die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen bereichert das Leben auf vielfältigste Weise. Das gilt auch für Menschen mit Demenz. Der Besuch in einem Stadt- oder Kunstmuseum, die Teilhabe an einem Konzert... kann alte Erinnerungen wecken, die Begegnung mit Melodien, Bildern und Skulpturen ein Erlebnis für alle Sinne sein - eine schöne Zeit.

Teilhabe am öffentlichen und damit auch am kulturellen Leben einer Gesellschaft ist ein Menschenrecht. Welche Voraussetzungen müssen vorhanden sein, um einen freien Zugang für Menschen mit Demenz zu verschiedenen kulturellen Angeboten einer Kommune zu schaffen?

Die Fortbildung „Kulturbegleitung für Menschen mit Demenz" zeigt, wie solche Angebote vorbereitet werden können. Sie geht auf mögliche Hemmnisse und Barrieren ein und zeigt Interessierten aus Pflege und Betreuung und dem Kulturbereich wie diese erfolgreich überwunden werden können. Dabei wird auch das von (de)mentia+art entwickelte Format von interaktiven digitalen Museumsführungen vorgestellt.

Im Zentrum steht die Erarbeitung einer 'Teilhabe-orientierten Vermittlung und Kommunikation' - nicht zuletzt im umfangreichen Praxisteil, der in einem Dresdener Museum stattfindet.

 

[Digitale Museumsführung für St. Bruno, Köln, Caritas ]

Die Teilnehmenden erhalten zum Schluß eine Praxisaufgabe, bei der sie ihre neuen Kenntnisse anwenden sollen. Nach etwa 6 Monaten folgt ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch. Sie erhalten ein digitales Handout und eine Teilnahmebescheinigung.

Die insgesamt 3-tägige Fortbildung qualifiziert die Teilnehmer*nnen zur/zum Kulturbegleiter*in für Menschen mit Demenz.


Termin: 11. - 13.10.2022, jeweils 10 - 17 Uhr und Follow-Up Termin Erfahrungsaustausch: (folgt)

Ort: Dresden
Praxisort: Staatliche Sammlungen Dresden

Zielgruppe
Mitarbeiter*innen der Seniorenberatungs- und Begegnungszentren der Landeshauptstadt Dresden, Mitarbeiter*innen in Pflege und sozial-kultureller Betreuung von Menschen mit Demenz; Mitarbeiter*innen von Museen im Bereich Inklusion/Demenz; fortgeschrittene Studierende der betreffenden Fachrichtungen mit Arbeits- oder Studienort in Dresden

Teilnehmer*innen: max. 16

Referent
Jochen Schmauck-Langer ist Geschäftsführer von (de)mentia+art. Geisteswissenschaftliches Studium, Autor, zertifi. Kulturgeragoge und Kunstbegleiter für Menschen mit und ohne kognitive oder psychische Erkrankungen. Qualifikation zur Alltagsbegleitung von Menschen mit Demenz; Mitgliedschaft in den Bundesverbänden Museumspädagogik sowie Kunst- und Kulturgeragogik.

Mehr Infos: Jochen Schmauck-Langer :: schmauck.langer(at)live.de :: 0157 88345881
Anmeldung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  ::  Sandrine Augustin: 0351 - 4166047


Maßnahme Kompetenzaufgaben Demenz


Eine Schulung von: 




Chancen und Voraussetzungen: Das BMFSFJ-Projekt „Digitale Museumsführungen für Menschen mit Demenz“

Der Erfahrungsbericht beschreibt die wichtigsten Abläufe und Erfahrungen dieses gewiss ungewöhnlichen Projekts mitten in der Hoch-Zeit der Pandemie. Er verweist auf Gelingensbedingungen und sieht am Ende die Chancen des digitalen Formats für den Inklusionsbereich als gegeben an - nicht zuletzt als Erweiterung von sozialen und kulturellen Teilhabemöglichkeiten (siehe ländliche Räume, Witterungsbedingungen u.a.).     [Jochen Schmauck-Langer, Geschäftsführer (de)mentia+art]



BASICS

(de)mentia+art hat bisher für Menschen mit demenziellen Veränderungen in verschiedenen Kölner Museen sowie als Outreach-Angebot mehr als 250 Führungen gestaltet. Partner war dabei der Museumsdienst Köln. Basierend auf diesen Erfahrungen wurden wir Mitte 2020 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit der Entwicklung eines digitalen Formats für den Inklusionsbereich betraut.
Entwickelt in Reaktion auf die damals unmittelbar bedrängenden Erfahrungen mit Pandemie, Isolation und Vereinsamung war die Prämisse, ein ortsunabhängiges digitales Vermittlungsformat zu schaffen. Wie bei unseren analogen Führungen sollte es eine wertschätzende und interaktive Teilhabe und Kommunikation für Menschen mit Demenz ermöglichen und ihre Ressourcen ansprechen. Das Projekt lief von Nov. 2020 bis August 2021. Etwa 140 Personen aus ganz Deutschland nahmen an den Schulungen teil. Viele arbeiteten dabei (wie gewünscht) als „Tandems“ zusammen, die sich aus Museumsmitarbeiter*innen zusammensetzten und aus professionell oder ehrenamtlich Engagierten in stationären oder ambulanten Pflegebereichen.

Für das Projekt brachte (de)mentia+art methodisch die in fünf Kölner Museen seit Jahren erprobte teilhabeorientierte Vermittlung ein und gestaltete schließlich das neue digitale Fo

rmat danach. ‚Interaktiv‘ bedeutete in diesem Fall, dass es ein Angebot für Kleingruppen (bis zu 8 - 10 Betroffene) sein sollte, z.B. Menschen mit Demenz in Wohnbereichen (also kein typisches „Konferenzformat mit jeweils einzelnen Teilnehmenden).
Das Format sollte sodann nach einer Pilotphase in Köln bzw. im Rheinland (bis März 2021) durch zahlreiche Schulungen möglichst in der bundesrepublikanischen Fläche bekannt gemacht werden. Dies gelang durch die Kooperation mit dem Bundesverband Museumspädagogik und die angeschlossenen Landes- bzw. Regionalverbände sowie durch die Zusammenarbeit mit einzelnen Pflegeeinrichtungen, Bildungsinstitutionen und weiteren Multiplikatoren, etwa im kommunalen Bereich. In die Pilotphase konnten wir die (teilweise geschlossenen) Kölner Museen mit bereits vorhandenen Digitalisaten einbringen, sodass es möglich war, mit neu erarbeiteten digitalen Versionen der wichtigsten analogen Führungslinien aus dem Inklusionsbereichen (Klassische Moderne, Impressionismus, Goldenes Zeitalter, Das Alte Köln etc.) die Bildgrundlagen für die bundesweiten Schulungen bereitzustellen.

 

Technische Voraussetzungen für die Teilnahme auf Seiten der Pflegeeinrichtungen waren eine gute Internetverbindung, ein Großbildschirm bzw. Beamer mit Leinwand und ein Notebook, über das der Zugangslink übertragen werden kann (der digital etwa mit dem Home-/Office eines/r Museumsmitarbeiter*in „verbunden“ wird. Ferner waren einige Kleinteile wichtig wie eine zweite, mobil eingesetzte Webcam mit Mikrofon.
Die Zusammenarbeit in Tandems war elementar für das neue digitale Format, bei dem inhaltliche und technische Bereiche zusammenkamen. Zu erwähnen ist hier das überaus große Engagement für dieses neue Format – gerade auch auf Seiten der Pflege, die inmitten der bedrängenden Isolation in der Pandemie für ihre Menschen mit und ohne kognitive Einschränkungen ein schönes und sinnvolles Angebot bekamen. Diese konnten nicht nur passiv teilhaben, sondern sie gestalteten mit ihren Wahrnehmungen das gemeinsame Entdecken von Kunstwerken auch mit…: „Menschen mit Demenz chatten im Videotalk über Kunst“…

Die Schulungen bestanden nun aus 3 Modulen. Modul 1 beinhaltete die technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten. In Modul 2 wurden individuelle Termine mit den Pflegeeinrichtungen/Tandems zu den technischen Settings vereinbart. Das bedeutete, dass die teilnehmenden Pflegeeinrichtungen einen Link für einen bestimmten Termin bekamen. Ich betrat dann digital den Raum, wo das Angebot stattfinden sollte. Ebenso der konkrete Tandempartner aus dem Kulturbereich; manchmal auch mehrere. Wir schauten dann, wie sich die visuellen und akustischen Bedingungen optimieren ließen. Wo sitzen die Bewohner*innen und wie handhaben die Betreuer*innen in dem gegebenen Setting die mobile Webcam am besten, um die einzelnen Wahrnehmungen „einzufangen“? …

Dieses Modul hat sich als außerordentlich wichtig erwiesen für das Verständnis des ganzen Projektes. Auf dieser Erfahrung baut dann das Modul 3 auf, wo wir zuerst über diese verschiedenen Settingerfahrungen der Tandems sprachen. Danach ging es im Wesentlichen um den inhaltlichen Ablauf einer solchen Museumsführung – wobei eine auf das digitale Erleben angepasste Kommunikation gegenüber Menschen mit Demenz im Vordergrund stand. Zur besseren Anschauung präsentierte ich an dieser Stelle stets zwei unterschiedliche Bilder: ein Porträt eines jungen Mädchens (um die emotionale Erlebnisdichte zu zeigen) und ein Stillleben (um die handwerkliche, nahezu stoffliche Beschaffenheit durch die Möglichkeit von digitalen Details und -Zooms deutlich und damit besser wahrnehmbar zu machen. Im Kontext der Entwicklung der Schulungen und des ganzen Formats haben wir sodann gut 30 Führungen mit Bewohner*innen durchgeführt, begleitet von vorbereitenden Settings und evaluierenden Nachgesprächen.

Aufgabe der Sozial-kulturellen Betreuung während einer Führung
Das digitale Projekt und das Format ist nicht nur komplex, weil dabei technische Anforderungen und inhaltliche Aspekte zusammen spielen, sondern auch weil zwei Bereiche (Pflege/Kultur) beteiligt sind. Die Praxiserfahrung (s. technische Settings) hat gezeigt, dass die mobile Handhabung der zusätzlichen mobilen Webcam entscheidend ist für die Qualität der visuellen und akustischen Verhältnisse in der Kommunikation mit dem/der Kunstbegleiter/in bzw. mit den Bewohnern. Daraus ergab sich die notwendige Erkenntnis, dass die Betreuer*innen vor Ort eine weitaus aktivere und größere Rolle in der Kommunikation mit ihren Bewohner*innen einnehmen und mitgestalten konnten. Diese aktive Rolle wurde allenthalben als etwas Wertschätzendes wahrgenommen.

Evaluation und Akzeptanz

Die Akzeptanz dieser Art von interaktiver Kommunikation „mit dem Fernseher“, auch die aktive Teilnahme an einer digitalen Museumsführung für Menschen mit Demenz in einer Pflegeeinrichtung war außerordentlich groß. Es kam – anders als von mehreren Seiten befürchtet - nur in geringem Maße zu Irritationen. Die durchschnittliche Dauer wurde von uns auf 60 Minuten (statt 45) angehoben. Auch die Befragungen der Betreuer*innen, die aufgrund ihrer Erfahrung mit den beteiligten Bewohner*innen ihre Einschätzung wiedergaben, bestätigten die hohe Akzeptanz.
Zielgruppe waren Menschen in einer frühen und in einer frühen mittleren Phase. Darüber hinaus richtete sich die Zusammensetzung der Gruppe nach den Einschätzungen der Betreuer*innen, sodass auch immer wieder orientierte Bewohner*innen – etwa mit körperlichen Einschränkungen - beteiligt waren. Später konnten wir die Erfahrung machen, dass bei entsprechender Unterstützung auch Menschen in einem weiter fortgeschrittenen Stadium ihrer Demenz teilhaben konnten.

Probleme und Ausblick

Bei der Antragstellung (Mitte 2020) habe ich auf die Schwierigkeiten des Projekts verwiesen. Die wesentlichen Aspekte kann ich zwei Jahre später hier noch einmal bestätigen: Das digitale Format/Projekt ist – immer noch – neu und erscheint mit seinen anspruchsvollen Verschränkungen von Kultur, Demenz und Digitalität geradezu kühn – vor allem da es um ein interaktives Gruppenformat geht! Die Abläufe (z. B. die technischen Settings vor Ort sowie die Schulungen) waren mitten in einer Pandemie nicht sicher planbar. Einige dieser Probleme konnten wir bewältigen, andere nicht. Hinzu kam ein enges Zeitkorsett – bedingt durch die 10-Monats-Vorgabe, aber auch durch eigene Figurationen.

Als Projektleiter bin ich auf großes Engagement der Beteiligten gestoßen, gerade auch bei den Kolleg*innen im Pflegebereich. Das verpflichtete dann jedoch auch zurecht zu einer großen Servicebereitschaft unsererseits, vor allem in der Koordinierung von Terminen und bei mehrfachen Wiederholungen des technischen Settings für die beteiligten Pflegeeinrichtungen. Hinzu kamen ja als Teilnehmende Menschen mit kognitiven Veränderungen. Und ja, es gibt bei (de)mentia+art große Erfahrungen in der analogen Betreuung. Aber das interaktive digitale Format betrat auch hier Neuland. Oder anders gesagt: wir haben viel gewagt und überraschende, im Wesentlichen jedoch positive Erfahrungen machen können. Etwa bei der weit überwiegenden Akzeptanz der digitalen Kommunikation innerhalb dieser hochbetagten und eingeschränkten Gruppe. Oder auch durch die Möglichkeit, Betroffene in einer fortgeschritteneren Phase durch intensive Assistenz vor Ort für ein gemeinsames digitales Entdecken mit einzubeziehen.
Letztlich hat sich bestätigt, dass die Chancen für ein Gelingen als Teil und Ergänzung von kultureller Teilhabe im Rahmen der gerade beschlossenen Nationalen Demenzstrategie die Risiken eindeutig überwogen haben. – Bis auf den Faktor Zeit! Denn die Digitalität und die digitalen Führungen brauchen erkennbar mehr Zeit, um so alltäglich zu werden, dass sie von Pflege und Betreuung mit leichter Hand genutzt werden können. N u n sind die zahlreichen Förderprogramme zur Digitalisierung auch im Pflegebereich sehr willkommen. Für unser Projekt kamen sie jedoch vielfach zu spät.

 



WEITERE INFOS

  • Die digitalen Museumsführungen wurden als ein Beitrag der Kultur in die „Nationale Demenzstrategie“ aufgenommen.
  • Das Abschluss-Video zeigt am Beispiel einer Pflegeeinrichtung, wie man sich die technischen Vorbereitungen und den eigentlichen Ablauf einer solchen digitalen Museumsführung vorstellen kann. Dabei kommen die Betreuer*innen vor Ort ebenso zu Wort wie die teilnehmenden Menschen mit Demenz.

    Video "Digitale Museumsführungen für Menschen mit Demenz (ca. 8 Min.):  H i e r

    Barrierefreiheit
    : Das Video in leichter Sprache und Gebärdensprache ist ebenso dort zu finden. In dieser Video-DGS-Version gebärdet parallel zu unserem Ausgangsvideo eine Gebärdendolmetscherin. Auch lässt sich eine Untertitelung in einfacher Sprache hinzuschalten.

  • Handreichung für den Demenzbereich: https://dementia-und-art.de/attachments/article/581/Handreichung%20Digitale%20Museumsfuehrungen_Demenz.pdf
  • Handreichung für den Bereich psychische Erkrankungen: https://dementia-und-art.de/attachments/article/582/Handreichung%20Digitale%20Museumsfuehrungen%20Gruppe_psych.%20Erkrankungen.pdf

  • Schulungen zu den digitalen Museumsführungen für Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen sind bei (de)mentia+art (nun als kostenpflichtiges Fortbildungsangebot) verfügbar. Wir empfehlen, sie mit einer Qualifizierung zur Kulturbegleitung von Menschen mit kognitiven (Demenz) oder psychischen Beeinträchtigungen zu verbinden.

KONTAKT Jochen Schmauck-Langer, (de)mentia+art; 0157 88345881; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Christi Geburt und die Heiligen 3 Könige. Für Menschen mit und ohne Demenz - analog + digital


[Bild: Gerrit van Honthorst: Anbetung der Hirten, Wallraf-Richartz-Museum l rba_d045127]

Überlieferung und Darstellung der Geburt Christi hat sich im Gang durch die Jahrhunderte immer wieder verändert. Wir wollen einige besonders schöne Bilder aus verschiedenen Sammlungen des Museum Wallraf gemeinsam entdecken. Wie stets machen wir das ohne kunsthistorische Voraussetzungen, nur auf der Basis dessen, was für alle zu sehen ist. Eigene Empfindungen und Wahrnehmungen sind in diesem interaktiven Format sehr erwünscht.

Das digitale Format für Gruppen in Pflegeeinrichtungen ist ebenfalls interaktiv und ermöglicht ein einfaches Erkennen selbst von kleinsten Details eines Museumsbildes.

MEHR INFOS + TERMINE: H I E R

Kultur als Freudenbringer (4) - Teilhabe ermöglichen auch für Menschen mit kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen

Kultur kann ein Freudenbringer sein! (de)mentia+art möchte mit ein paar Beispielen Lust darauf machen, es mit kultureller Teilhabe erstmals oder wiederholt zu versuchen: für sich selbst, für Ihre zu betreuenden Gäste, Ihre Bewohnerinnen und Bewohner.




[Chr.E.Boettcher: Sommernacht am Rhein, 1862_(Detail) rba_c016094.jpg]

Sommernacht am Rhein (1862) (Chr. Eduard Boettcher)

"Man müsste nochmal 20 sein..." - Der melancholische Rückblick des Sängers Willy Schneider wäre ein passender Auftakt für eine Bildbetrachtung der "Sommernacht am Rhein", die Christian Eduard Boettcher 1862 malte. Es war sein - großformatiger - Beitrag zur halb Europa und dann auch Deutschland überziehenden Rheinromantik. Eine laue Mondnacht, das anmutige Rheintal, junge und alte Menschen, die feiern. Liebe (oder Liebelei) ist auch zu Gast an der großen Tafel unter der alten Linde.

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27.09.2022 Erfahrungsaustausch zur Fortbildung Kulturbegleitung für Menschen mit Demenz

Das Konzept von (de)mentia+art sieht vor, am Ende einer mehrtägigen Fortbildung den TeilnehmerInnen eine Praxisaufgabe zu stellen: nämlich die neuen Impulse in ihrer Einrichtung oder Institution praktisch umzusetzen. Dazu wird nach einer Weile ein Erfahrungsaustausch angeboten: Im gemeinsamen intensiven Austausch mit der Gruppe werden oftmals neue Möglichkeiten und Wege aufgezeigt. Die zugrundeliegende Fortbildung finden Sie unten.
> Der Erfahrungsaustausch ist auf Anfrage auch offen für Teilnehmende früherer Fortbildungen von dementia+art.


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Kultur als Freudenbringer (3) - Teilhabe ermöglichen auch für Menschen mit kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen

Kultur kann ein Freudenbringer sein! (de)mentia+art möchte mit ein paar Beispielen Lust darauf machen, es mit kultureller Teilhabe erstmals oder wiederholt zu versuchen: für sich selbst, für Ihre zu betreuenden Gäste, Ihre Bewohnerinnen und Bewohner.



  

[Kolumba / Ausgrabung © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)]

Ein Museum als Freudenbringer, dessen größter Raum durch eine Trümmerlandschaft führt? Es sind Ausgrabungen, die hinabführen in eine 2000jährige Nutzung des Ortes. Kolumba, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, wurde auf den Nachkriegstrümmern der ehemaligen Pfarrkirche St. Kolumba erbaut. Architekt war Peter Zumthor, dessen Arbeit in Köln mindestens ebenso viele Architekturliebhaber aus aller Welt anzieht wie Kunstinteressierte.

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Newsletter 03_2022

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ist für Sie in den Bereichen Kultur und Pflege/Betreuung die Pandemie vorbei? - Für uns bei (de)mentia+art ist sie es jedenfalls nicht. Mit unseren Angeboten zu kultureller Teilhabe sind wir nach wie vor konfrontiert mit Absagen oder Stornierungen von Museumsführungen. Selbst was digitale Formate angeht! Auch die beliebten Kammerkonzerte sind noch nicht möglich.

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